Wandern Allgäu: Wegenetz, Touren & Trilogie

Das Wichtigste in Kürze:
- Das Allgäu bietet über 12.000 ausgeschilderte Wanderwege, vom flachen Uferpfad bis zur alpinen Gipfeltour.
- Die Hauptsaison reicht von April bis Oktober, in höheren Lagen verkürzt sich das Zeitfenster durch Restschnee im Frühjahr und frühen Wintereinbruch im Herbst.
- Die Wandertrilogie Allgäu verbindet auf 867 Kilometern und rund 50 Etappen drei Themenrouten für Mehrtageswanderer.
- Wandern selbst kostet nichts, Parkplatz, Bergbahn und Hüttenübernachtung machen jedoch den größten Teil des Budgets aus.
Wer im Allgäu wandert, hat die Qual der Wahl. Zwischen Bodensee und Füssen liegt eine Landschaft, die auf engem Raum Streuobstwiesen, Moore, Wasserfälle und Zweitausender-Gipfel versammelt, und die Wegenetze der Region sind entsprechend engmaschig. Das macht die Suche nach der passenden Tour zur eigentlichen Herausforderung, nicht das Fehlen von Möglichkeiten.
Die folgende Übersicht ordnet, was das Allgäu für Wanderer bereithält, von der Feierabendrunde bis zur mehrtägigen Trekkingtour, und sagt, wann welche Höhenlage sinnvoll ist.
Wie groß ist das Wegenetz wirklich
Nach aktueller Erfassung verzeichnet die Region über 6.800 leicht eingestufte, knapp 5.000 mittelschwere und fast 700 schwierige Wanderwege. Diese Verteilung erklärt, warum das Allgäu gleichermaßen als Familienziel und als Ausgangspunkt für alpine Bergtouren gilt: Auf einen anspruchsvollen Weg kommen statistisch etwa achtzehn leichte oder mittlere.
Die Bandbreite zeigt sich auch bei einzelnen Touren. Der Oytal-Rundweg ab Oberstdorf führt über 11,4 Kilometer und rund drei Stunden Gehzeit durch die Allgäuer Alpen, mit moderatem Anspruch. Der Starzlachklamm-Rundweg dagegen ist mit 4,7 Kilometern und etwa anderthalb Stunden deutlich kürzer, verlangt wegen der Klammpassagen aber Trittsicherheit. Beide Routen liegen im selben Landschaftsraum, unterscheiden sich in Umfang und Charakter aber erheblich, ein Hinweis darauf, wie kleinräumig sich die Ansprüche im Allgäu wechseln können.
Wer keine Höhenmeter sammeln will, findet ebenfalls ein eigenes Angebot: Touren am Elbsee, am Vilstalrundweg oder durch das Werdensteiner Moos verlaufen flach und eignen sich für längere Spaziergänge ohne alpinen Anspruch. Kommunen wie Leutkirch ergänzen das überregionale Netz mit eigenen, lokal ausgeschilderten Rundwegen, dort allein sind es dreizehn Strecken für Tagesgäste.
Die Wandertrilogie Allgäu als Rückgrat für Mehrtagestouren
Wer länger als einen Tag unterwegs sein will, stößt fast zwangsläufig auf die Wandertrilogie Allgäu. Das Weitwanderwegenetz wurde 2014 eröffnet und verbindet seither drei Hauptrouten: den Wiesengänger durch das Vorland, den Wasserläufer entlang der Gewässer und den Himmelsstürmer durch die Hochlagen der Allgäuer Alpen. Zusammen kommen die drei Routen auf 867 Kilometer, aufgeteilt in etwa 50 Etappen.
Das Konzept dahinter unterscheidet sich von klassischen Fernwanderwegen: Die Routen überschneiden sich stellenweise, sodass sich einzelne Etappen kombinieren oder tauschen lassen, je nach Kondition und Wetterlage. Für Reisende, die nicht die komplette Trilogie laufen wollen, sind einzelne Etappen ebenso als Tagestouren geeignet.
Wann die Saison beginnt und endet
Die Hauptsaison für Wandern im Allgäu erstreckt sich von April bis Oktober, verläuft aber je nach Höhenlage unterschiedlich. In den Tälern beginnt die Saison meist im April oder Mai, während höher gelegene Wege zu diesem Zeitpunkt noch schneebedeckt sein können. Der Sommer bietet die stabilsten Bedingungen für Bergtouren und Hüttenwanderungen, wenn Schneefelder abgeschmolzen und die Hütten bewirtschaftet sind.
Der Herbst gilt unter Kennern als besonders reizvolle Zeit: Die Laubfärbung in den Tälern und das klare Bergpanorama machen September und Oktober zu einer beliebten Phase, sofern kein früher Wintereinbruch die Wege blockiert. Diese Abhängigkeit von der Witterung bedeutet auch, dass es keine festen Start- und Enddaten gibt, wer im Frühling oder Spätherbst in höhere Lagen will, informiert sich vorher über die aktuelle Schneelage.
Auch im Winter bleibt das Allgäu für Wanderer interessant, allerdings mit anderen Routen. Winterwandern und Schneeschuhtouren verlangen andere Ausrüstung und andere Wegwahl als die Sommersaison, viele Sommerpfade sind dann gar nicht begehbar.
Was Wandern im Allgäu kostet
Das Wandern selbst ist in aller Regel kostenlos, die Wege sind öffentlich zugänglich und nicht gebührenpflichtig. Kosten entstehen an anderer Stelle: Parkplätze an beliebten Ausgangspunkten verlangen häufig eine Gebühr, ebenso Bergbahnen, die Höhenmeter abkürzen. Wer auf einer bewirtschafteten Hütte übernachtet, zahlt zusätzlich für Bett und Verpflegung, die Preise schwanken je nach Kategorie und Saison spürbar.
Wanderkarten sind bereits für wenige Euro erhältlich und lohnen sich gerade für Mehrtagestouren, bei denen die Netzabdeckung für digitale Navigation nicht überall verlässlich ist. Wer eine geführte Tour bucht, zahlt zusätzlich für den Guide, die Preise variieren je nach Anbieter, Dauer und Thema der Tour deutlich.
Für Einsteiger, die sich nicht selbst orientieren wollen, bietet sich eine geführte Tour an: Anbieter wie Wandern und Erleben Allgäu führen ein ganzjähriges Programm mit Themenwanderungen, von Genusstouren bis zu anspruchsvollen Bergtouren. Wer dagegen flexibel und ohne festen Zeitplan unterwegs sein will, ist mit den ausgeschilderten Wegenetzen der Region und einer eigenen Karte besser bedient.
Für wen sich welche Tour eignet
Familien mit kleinen Kindern finden in den Hörnerdörfern eigens angelegte Wege mit Erlebnisstationen, die Strecke ist dort zweitrangig, wichtiger ist die Abwechslung unterwegs. Wer flache Landschaft ohne Höhenmeter sucht, ist mit Touren am Elbsee oder im Werdensteiner Moos besser aufgehoben als mit einer Etappe der Wandertrilogie.
Ambitionierte Bergwanderer mit Kondition und Trittsicherheit finden ihr Ziel eher im Himmelsstürmer-Abschnitt der Wandertrilogie oder in den schwierigen, knapp 700 Wegen des Gesamtnetzes. Wer eine Mehrtagestour ohne große Planungsarbeit sucht, profitiert von der bestehenden Etappeneinteilung der Trilogie, sie nimmt die Streckenplanung bereits ab.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für die Wandertrilogie Allgäu?
Bei rund 50 Etappen und 867 Kilometern Gesamtlänge sind für die komplette Trilogie mehrere Wochen nötig. Die meisten Wanderer laufen deshalb nur einzelne Abschnitte oder eine der drei Hauptrouten, nicht das gesamte Netz am Stück.
Ist Wandern im Allgäu auch für Anfänger geeignet?
Ja, mit über 6.800 leicht eingestuften Wegen bietet die Region ein großes Angebot für Einsteiger und Familien. Strecken wie der Vilstalrundweg oder Touren am Elbsee verlaufen flach und ohne technische Schwierigkeiten.
Braucht man für Wanderungen im Allgäu spezielle Ausrüstung?
Für flache Rundwege genügen festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung. Bei alpinen Touren wie Klammwegen oder Gipfelpfaden sind Trittsicherheit, Wanderstöcke und je nach Route auch Erfahrung im Bergwandern erforderlich.
Was kostet eine geführte Wanderung im Allgäu?
Die Preise hängen stark vom Anbieter und der Tourdauer ab und liegen meist im zweistelligen Bereich pro Person. Themenwanderungen und mehrstündige Touren kosten in der Regel mehr als kurze Einführungstouren.
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