Das Allgäu

Klettersteig Allgäu: Die besten Touren im Überblick

Kletterer sichert sich am Drahtseil eines Klettersteigs auf einem schmalen Felsgrat in den Allgäuer Alpen
Beitragsbild: KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Hindelanger Klettersteig bei Bad Hindelang gilt mit den Schwierigkeitsgraden C bis D als anspruchsvollster und bekanntester Steig der Region.
  • Für Einsteiger eignen sich die Starzlachklamm bei Burgberg und der Tegelberg-Klettersteig bei Füssen, beide mit Schwierigkeitsgrad A bis B.
  • Komplettausrüstung mit Klettersteigset, Helm und Klettergurt ist Pflicht, viele Bergbahnen und Alpinschulen im Allgäu verleihen das Material vor Ort.
  • Die Hauptsaison reicht von Mai bis Oktober, bei Nässe oder Gewitter sind Klettersteige im Allgäu wegen der exponierten Grate zu meiden.

Klettersteige verbinden im Allgäu zwei Dinge, die die Alpenregion sonst selten zusammenbringt: alpines Terrain mit teils senkrechten Passagen und eine überschaubare Anreise über gut ausgebaute Bergbahnen. Wer schon einmal am Hindelanger Klettersteig über dem Ostrachtal stand, weiß, dass hier keine gemütlichen Wanderwege warten, sondern Grate, Leitern und Drahtseilsicherungen, die auch geübte Bergsteiger fordern. Gleichzeitig gibt es genügend leichtere Routen, an denen sich Einsteiger unter Anleitung an das Klettern mit Sicherung herantasten können.

Die wichtigsten Klettersteige im Überblick

Das Allgäu bietet mehrere fest installierte Steiganlagen, die sich in Schwierigkeit, Länge und Charakter deutlich unterscheiden.

Klettersteig Schwierigkeit Ausgangspunkt Besonderheit
Hindelanger Klettersteig C–D Bergstation Hindelanger Bergbahn (ca. 1.800 m) Grattour zwischen Imberger Horn und Steineberg
Tegelberg-Klettersteig B Bergstation Tegelbergbahn (ca. 1.720 m) Blick auf Schloss Neuschwanstein
Starzlachklamm A–B Parkplatz Burgberg Familienfreundlich, mit Klammweg kombinierbar
Salewa Klettersteig Ifen C Ifen-Bergstation, Kleinwalsertal Mehrere Ausstiegsmöglichkeiten

Der Hindelanger Klettersteig ist mit rund 1,4 Kilometern Steiganlage die längste durchgehende Route der Region. Er wurde 2005 eröffnet und führt über einen ausgesetzten Grat, für den je nach Kondition und Erfahrung etwa vier Stunden Gesamtgehzeit eingeplant werden sollten. Der Tegelberg-Klettersteig dagegen ist mit rund 400 Metern deutlich kürzer und in etwa anderthalb bis zwei Stunden zu bewältigen, dafür belohnt er mit einem der bekanntesten Ausblicke der Alpen.

Die Starzlachklamm bei Burgberg unterscheidet sich vom Grattyp der anderen Steige grundlegend. Statt über offene Höhenwege führt sie durch eine enge, schattige Schlucht, in der das tosende Wasser der Starzlach nur wenige Meter unter den Sicherungen liegt. Das macht sie zu einer der wenigen Optionen im Allgäu, die sich auch an heißen Sommertagen angenehm begehen lässt.

Schwierigkeitsgrade und wer welchen Steig gehen sollte

Klettersteige werden nach der Hüsler-Skala von A (leicht) bis F (extrem schwierig) eingeteilt. Diese Einteilung entscheidet direkt darüber, wer welche Tour angehen sollte, denn sie sagt etwas über die Neigung der Wand, die Griffabstände und die Ausgesetztheit aus.

Wer noch nie an einem Drahtseil gesichert unterwegs war, beginnt mit einem A- oder B-Steig wie der Starzlachklamm oder dem Tegelberg. Beide Routen verlangen zwar Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, kommen aber ohne freie Kletterpassagen aus, bei denen der Körper allein an Armen und Fingern hängt. Der Hindelanger Klettersteig mit den Graden C und D setzt dagegen bereits Erfahrung voraus: Einzelne Abschnitte verlangen Armkraft, und die Route bleibt über weite Strecken extrem ausgesetzt, ein Abbruch mitten in der Tour ist kaum möglich.

Ein Punkt, der in vielen Ratgebern zu kurz kommt: Klettersteig-Schwierigkeit sagt nichts über die konditionelle Länge einer Tour aus. Der Hindelanger Klettersteig fordert nicht nur durch seine Kletterstellen, sondern auch durch die reine Zeit am Grat in großer Höhe. Wer nach zwei Stunden an einem C-Steig bereits erschöpft ist, sollte eine kürzere Route wählen, selbst wenn diese technisch anspruchsvoller eingestuft ist.

Ausrüstung und Sicherheit am Berg

Ein Klettersteigset mit zwei Karabinerarmen und Bandfalldämpfer, ein Kletterhelm und ein passender Klettergurt gehören zur Mindestausstattung. Ohne dieses Set ist das Begehen der gesicherten Anlagen im Allgäu nicht erlaubt und lebensgefährlich, weil ein Sturz am Drahtseil sonst ungebremst bliebe. Feste Bergschuhe mit griffiger Sohle sind ebenso Pflicht wie Handschuhe, die vor scharfkantigen Klemmen am Stahlseil schützen.

Wer die Ausrüstung nicht besitzt, findet an den Talstationen der Hindelanger Bergbahn und der Tegelbergbahn Verleihstationen, an denen Set, Helm und Gurt komplett ausgeliehen werden können. Alpinschulen in Oberstdorf, Sonthofen und Bad Hindelang bieten zudem geführte Touren an, bei denen ein Bergführer nicht nur sichert, sondern auch Einstiegstechnik und Verhalten am Grat vermittelt. Für den ersten eigenen Klettersteig im Leben ist das die sinnvollere Wahl als der Alleingang mit geliehenem Material.

Wetterumschwünge sind im Allgäu die größte Gefahr an exponierten Graten. Ein Gewitter trifft dort schneller ein, als es der Blick ins Tal vermuten lässt, und ein an Drahtseilen befestigter Mensch ist ein exponiertes Ziel. Wer morgens Wolkentürme über den Gipfeln sieht, verschiebt die Tour, unabhängig davon, wie weit die Anfahrt bereits zurückgelegt wurde.

Beste Reisezeit und Anreise

Die Saison für Klettersteige im Allgäu beginnt in der Regel im Mai, sobald der Schnee auf den Graten abgetaut ist, und endet mit dem ersten Herbstschnee meist im Oktober. Die Bergbahnen, die viele Steige erst zugänglich machen, folgen diesem Fahrplan und stellen den Betrieb außerhalb der Saison ein. Wer im Frühsommer unterwegs ist, sollte sich vor der Anreise bei der jeweiligen Bergbahn nach Restschneefeldern am Einstieg erkundigen, denn diese verlängern und erschweren die Tour zusätzlich.

Häufige Fragen

Wie schwer ist der Hindelanger Klettersteig?

Der Hindelanger Klettersteig ist mit den Graden C bis D nach Hüsler-Skala als schwierig bis sehr schwierig eingestuft. Er verlangt Kletterstellen mit Armkraft und bleibt über weite Strecken stark ausgesetzt. Vorerfahrung an leichteren Steigen ist vor dem Einstieg empfehlenswert.

Brauche ich einen Bergführer für Klettersteige im Allgäu?

Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Bergführer nicht, für Einsteiger und bei anspruchsvolleren Routen wie dem Hindelanger Klettersteig aber sinnvoll. Alpinschulen in Bad Hindelang, Oberstdorf und Sonthofen bieten geführte Touren mit Materialleihe an. Wer bereits Erfahrung an A- und B-Steigen gesammelt hat, kann leichtere Routen auch eigenständig begehen.

Was kostet die Ausrüstung für einen Klettersteig?

Ein komplettes Klettersteigset mit Helm und Gurt lässt sich an den Talstationen der Hindelanger Bergbahn und der Tegelbergbahn tageweise ausleihen. Ein Kauf lohnt sich erst, wer regelmäßig mehrere Touren pro Jahr plant. Wichtiger als der Preis ist, dass Set und Helm den aktuellen EN-Normen entsprechen.

Sind Klettersteige im Allgäu für Anfänger geeignet?

Ja, mit der Starzlachklamm bei Burgberg und dem Tegelberg-Klettersteig bei Füssen stehen zwei Routen der Grade A bis B zur Verfügung, die sich für den Einstieg eignen. Beide verlangen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, kommen aber ohne freie Kletterpassagen aus. Der Hindelanger Klettersteig sollte erst nach erster Erfahrung an leichteren Steigen angegangen werden.